Kalkulation
6. Gemeinkosten richtig berechnen – Der Fehler, der viele Handwerksbetriebe Geld kostet
Viele Handwerker kennen ihre Materialkosten. Viele kennen sogar ihre Lohnkosten.
Doch wenn es um Gemeinkosten geht, wird häufig geschätzt.
Genau das führt oft dazu, dass Angebote zu günstig kalkuliert werden und am Ende deutlich weniger Gewinn übrig bleibt als erwartet.
Wer seine Gemeinkosten nicht kennt, kennt seine tatsächlichen Preise nicht.
Was sind Gemeinkosten?
Gemeinkosten sind alle Kosten, die nicht direkt einem einzelnen Auftrag zugeordnet werden können.
Während Farbe oder Fliesen direkt für einen Kunden gekauft werden, entstehen Gemeinkosten unabhängig davon, ob heute ein Auftrag ausgeführt wird oder nicht.
Einzelkosten
- Material
- Subunternehmer
- Mietgeräte für einen konkreten Auftrag
- Entsorgungskosten eines bestimmten Projekts
Gemeinkosten
- Fahrzeuge
- Versicherungen
- Telefon
- Internet
- Software
- Büro
- Steuerberater
- Werbung
- Werkzeuge
- Unternehmerlohn
Diese Kosten laufen weiter, selbst wenn morgen kein einziger Kunde anruft.
Ein Beispiel aus der Praxis
Betrachten wir einen kleinen Malerbetrieb:
- 1 Inhaber
- 1 Mitarbeiter
- 1 Transporter
Am Jahresende entstehen folgende Gemeinkosten:
| Kostenart | Pro Jahr |
|---|---|
| Werkstatt / Lager | 6.000 € |
| Transporter | 7.200 € |
| Versicherungen | 2.400 € |
| Steuerberater | 1.800 € |
| Telefon & Internet | 600 € |
| Software | 600 € |
| Werbung | 1.200 € |
| Werkzeuge | 1.500 € |
| Sonstige Kosten | 1.700 € |
| Unternehmerlohn | 42.000 € |
| Gesamt | 65.000 € |
Der häufigste Fehler
Viele Unternehmer rechnen ihren eigenen Lohn nicht ein.
Das führt zu einer gefährlichen Illusion:
Der Betrieb scheint profitabel, obwohl lediglich der Unternehmer auf Einkommen verzichtet.
Deshalb sollte der gewünschte Unternehmerlohn immer Bestandteil der Gemeinkosten sein.
Von Jahreskosten zu Stundenkosten
Nun stellt sich die Frage:
Wie verteile ich diese 65.000 € auf meine Aufträge?
Dazu betrachten wir die verfügbaren Arbeitsstunden.
Ein typisches Jahr:
- 220 Arbeitstage
- 8 Stunden pro Tag
Daraus ergeben sich:
1.760 Arbeitsstunden pro Jahr
Warum 1.760 Stunden nicht realistisch sind
Nicht jede Stunde kann einem Kunden berechnet werden.
Zeit geht verloren durch:
- Angebote schreiben
- Kundenbesuche
- Telefonate
- Materialbeschaffung
- Fahrzeiten
- Büroarbeit
- Weiterbildung
In vielen Handwerksbetrieben bleiben am Ende nur:
1.200 fakturierbare Stunden pro Jahr
Gemeinkosten pro Stunde berechnen
Jetzt wird gerechnet:
65.000 € ÷ 1.200 Stunden = 54,17 € pro Stunde
Das bedeutet:
Jede verkaufte Stunde muss mindestens 54,17 € Gemeinkosten tragen.
Und dabei sind weder Mitarbeiterkosten noch Gewinn enthalten.
Warum viele Angebote zu günstig sind
Viele Handwerker kalkulieren lediglich:
- Material
- Lohn
Die Gemeinkosten werden vergessen oder massiv unterschätzt.
Dadurch entstehen scheinbar attraktive Preise, die langfristig jedoch die Wirtschaftlichkeit des Betriebs gefährden.
Der Zusammenhang zum Stundenverrechnungssatz
Die Gemeinkosten pro Stunde bilden einen wichtigen Baustein des Stundenverrechnungssatzes.
Hinzu kommen:
- Lohnkosten
- Lohnnebenkosten
- Gewinnzuschlag
- Risikopuffer
Erst aus diesen Komponenten entsteht ein professionell kalkulierter Verkaufspreis.
Wie Haegent Core unterstützt
Die Ermittlung der Gemeinkosten ist aufwendig, muss aber nicht jeden Monat neu durchgeführt werden.
In Haegent Core können diese Werte zentral im Kalkulationsprofil hinterlegt werden.
Anschließend fließen sie automatisch in Kalkulationen, Deckungsbeiträge, Preisuntergrenzen und Wirtschaftlichkeitsanalysen ein.
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Gemeinkosten-Rechner herunterladenFazit
Wer seine Gemeinkosten nicht kennt, kalkuliert im Blindflug.
Die Ermittlung erfordert etwas Arbeit, bildet jedoch die Grundlage für:
- korrekte Preise
- gesunde Margen
- realistische Unternehmensziele
- langfristigen Gewinn
Nicht der günstigste Anbieter gewinnt langfristig. Sondern derjenige, der seine Zahlen kennt.