Kalkulation
2. Vom Stundenlohn zum Angebotspreis – Wie Sie Ihren Stundenverrechnungssatz richtig berechnen
Viele Handwerksbetriebe kalkulieren ihre Angebote auf Basis von Erfahrung. Doch wer seinen tatsächlichen Stundenverrechnungssatz nicht kennt, riskiert langfristig, unter seinen eigenen Kosten zu arbeiten.
Die wichtigste Frage lautet:
Was kostet eine produktive Arbeitsstunde in meinem Betrieb wirklich?
Der häufigste Fehler in der Praxis
Viele Unternehmer gehen von einer einfachen Rechnung aus:
- Mitarbeiter verdient 20 € pro Stunde
- Ich berechne dem Kunden 45 € pro Stunde
- Also verdiene ich 25 € pro Stunde
Leider funktioniert die Realität nicht so einfach.
Denn der Lohn eines Mitarbeiters ist nur ein Teil der tatsächlichen Kosten.
Zusätzlich entstehen:
- Arbeitgeberanteile
- Urlaub
- Krankheit
- Arbeitskleidung
- Werkzeuge
- Fahrzeuge
- Versicherungen
- Büro und Verwaltung
- Software
- Steuerberater
Schritt 1: Einzelkosten verstehen
Einzelkosten können einem Auftrag direkt zugeordnet werden.
Typische Einzelkosten sind:
- Material
- Fremdleistungen
- Direkt geplante Arbeitsstunden
Diese Kosten entstehen unmittelbar durch den Auftrag.
Werden sie nicht vollständig berücksichtigt, ist die Kalkulation bereits fehlerhaft.
Schritt 2: Gemeinkosten berücksichtigen
Gemeinkosten können keinem einzelnen Auftrag direkt zugeordnet werden.
Trotzdem müssen sie bezahlt werden.
Typische Gemeinkosten:
- Miete
- Strom
- Telefon
- Internet
- Software
- Versicherungen
- Fahrzeugkosten
- Buchhaltung
- Verwaltung
Viele Handwerksbetriebe unterschätzen diesen Bereich erheblich.
In der Praxis machen Gemeinkosten häufig 15 % bis 40 % der Gesamtkosten aus.
Schritt 3: Produktive Stunden ermitteln
Jetzt kommt einer der wichtigsten Punkte.
Nicht jede Arbeitsstunde kann dem Kunden berechnet werden.
Von den theoretischen Jahresstunden müssen unter anderem abgezogen werden:
- Urlaub
- Feiertage
- Krankheit
- Besprechungen
- Materialbeschaffung
- Fahrzeiten
- Dokumentation
Viele Betriebe gehen von etwa 1.600 bis 1.750 produktiven Stunden pro Jahr aus.
Der genaue Wert hängt von Branche und Betriebsstruktur ab.
Schritt 4: Den Stundenkostensatz berechnen
Nehmen wir ein einfaches Beispiel:
- Gesamte Personalkosten pro Jahr: 55.000 €
- Produktive Stunden: 1.650 Stunden
Dann ergibt sich:
55.000 € ÷ 1.650 Stunden = 33,33 € pro Stunde
Das sind die reinen Personalkosten pro produktiver Stunde.
Gemeinkosten wurden bisher noch nicht berücksichtigt.
Schritt 5: Gemeinkosten aufschlagen
Angenommen, die Gemeinkostenquote beträgt 25 %.
Dann erhöht sich der Stundenkostensatz:
33,33 € × 1,25 = 41,66 €
Jetzt deckt die Stunde nicht nur die Personalkosten, sondern auch die Gemeinkosten des Betriebs.
Schritt 6: Gewinn einplanen
Ein Betrieb muss nicht nur Kosten decken.
Er muss auch investieren, Rücklagen bilden und Risiken tragen.
Deshalb wird ein Gewinnzuschlag kalkuliert.
Beispiel:
- Stundenkostensatz: 41,66 €
- Gewinnzuschlag: 15 %
Ergebnis:
41,66 € × 1,15 = 47,91 €
Der Stundenverrechnungssatz liegt also bei rund 48 €.
Und wie entsteht daraus ein Angebot?
Nehmen wir einen Auftrag an:
- 10 Arbeitsstunden
- Materialkosten 250 €
- Stundenverrechnungssatz 48 €
Arbeitszeit:
10 × 48 € = 480 €
Gesamtkalkulation:
- Arbeitszeit: 480 €
- Material: 250 €
Angebotspreis:
730 €
Warum viele Betriebe trotzdem zu günstig anbieten
Häufig werden einzelne Bestandteile vergessen.
Besonders oft fehlen:
- Gemeinkosten
- Unternehmerlohn
- Ausfallzeiten
- Gewinnzuschlag
Dadurch entsteht der Eindruck, ein Auftrag sei profitabel, obwohl tatsächlich kaum etwas übrig bleibt.
Wie Haegent Core unterstützt
In Haegent Core können Standard-Stundenkostensätze, Gemeinkostenquoten und weitere Kalkulationswerte zentral hinterlegt werden.
Dadurch müssen diese Werte nicht für jedes Angebot neu berechnet werden.
Die Kalkulation wird nachvollziehbarer, konsistenter und deutlich weniger fehleranfällig.
Fazit
Der Stundenverrechnungssatz ist weit mehr als der Stundenlohn eines Mitarbeiters.
Erst wenn Einzelkosten, Gemeinkosten, produktive Stunden und Gewinn berücksichtigt werden, entsteht ein realistischer Angebotspreis.
Wer seinen Stundenverrechnungssatz kennt, verkauft seine Arbeit nicht mehr unter Wert.
Im nächsten Artikel beschäftigen wir uns mit dem Deckungsbeitrag und der Frage, warum nicht jeder Auftrag mit hohem Umsatz automatisch ein guter Auftrag ist.