Kalkulation

1. Warum Ihr Gewinn nicht Ihr Gewinn ist

Viele Handwerksbetriebe arbeiten hart, schreiben Rechnungen und haben volle Auftragsbücher. Trotzdem bleibt am Monatsende oft deutlich weniger übrig, als erwartet.

Der Grund liegt häufig nicht im Umsatz. Der Grund liegt in der Kalkulation.

„Aber ich habe doch Gewinn gemacht!“

Stellen wir uns einen kleinen Handwerksbetrieb vor.

Am Jahresende zeigt die Auswertung:

  • Umsatz: 250.000 €
  • Ausgaben: 220.000 €
  • Gewinn: 30.000 €

Auf den ersten Blick sieht das gut aus.

Viele Unternehmer denken:

„Super. Ich habe 30.000 € Gewinn gemacht.“

Doch betriebswirtschaftlich betrachtet ist die Situation oft deutlich komplexer.

Denn eine wichtige Frage wurde noch gar nicht gestellt:

Was wäre passiert, wenn der Unternehmer selbst nicht im Betrieb gearbeitet hätte?

Der Unternehmer arbeitet oft kostenlos

In vielen kleinen Betrieben erledigt der Inhaber zahlreiche Aufgaben selbst:

  • Kundenberatung
  • Angebotserstellung
  • Baustellenplanung
  • Montagearbeiten
  • Einkauf
  • Rechnungen
  • Buchhaltung

Würde eine angestellte Person dieselbe Arbeit übernehmen, müsste sie bezahlt werden.

Genau deshalb verwendet die Betriebswirtschaftslehre den Begriff des kalkulatorischen Unternehmerlohns.

Dieser Wert berücksichtigt, welches Gehalt für die Arbeitsleistung des Unternehmers eigentlich angesetzt werden müsste.

Ein einfaches Beispiel

Nehmen wir an, der Unternehmer arbeitet Vollzeit im Betrieb.

Eine vergleichbare Führungskraft würde den Betrieb beispielsweise 45.000 € pro Jahr kosten.

Nun betrachten wir die Zahlen erneut:

  • Buchhalterischer Gewinn: 30.000 €
  • Kalkulatorischer Unternehmerlohn: 45.000 €

Betriebswirtschaftliches Ergebnis:

30.000 € − 45.000 € = −15.000 €

Plötzlich sieht die Situation völlig anders aus.

Der Betrieb hat zwar offiziell Gewinn gemacht, wirtschaftlich betrachtet wurde die eigene Arbeitsleistung jedoch nicht vollständig erwirtschaftet.

Warum diese Betrachtung wichtig ist

Warum Ihr Gewinn nicht Ihr Gewinn ist – Buchhalterischer Gewinn vs. wirtschaftliche Realität

Viele Handwerker kalkulieren ihre Preise auf Basis von Erfahrung.

Das funktioniert oft über Jahre hinweg.

Das Problem zeigt sich erst, wenn Investitionen anstehen, ein Fahrzeug ersetzt werden muss oder ein Mitarbeiter eingestellt werden soll.

Dann wird deutlich, dass der vermeintliche Gewinn in Wirklichkeit deutlich kleiner ist.

Wer den kalkulatorischen Unternehmerlohn berücksichtigt, erhält ein wesentlich realistischeres Bild der tatsächlichen Wirtschaftlichkeit.

Weitere Kosten, die häufig vergessen werden

Der Unternehmerlohn ist nicht die einzige Größe, die oft übersehen wird.

In der Kostenrechnung werden zusätzlich sogenannte kalkulatorische Kosten berücksichtigt.

Dazu gehören beispielsweise:

  • kalkulatorische Abschreibungen
  • kalkulatorische Zinsen
  • kalkulatorische Miete
  • kalkulatorisches Wagnis

Diese Kosten sollen die tatsächliche wirtschaftliche Belastung eines Betriebs möglichst realistisch abbilden.

Warum Umsatz alleine nichts aussagt

Viele Unternehmer betrachten zunächst den Umsatz.

Doch Umsatz ist lediglich die Summe aller verkauften Leistungen.

Erst wenn sämtliche Kosten berücksichtigt werden, lässt sich beurteilen, ob ein Auftrag oder ein Geschäftsjahr wirklich erfolgreich war.

Deshalb kann ein Betrieb mit 500.000 € Umsatz wirtschaftlich schlechter dastehen als ein Betrieb mit 300.000 € Umsatz, aber einer besseren Kalkulation.

Der erste Schritt zu profitableren Angeboten

Wer seine tatsächlichen Kosten kennt, kann bessere Entscheidungen treffen.

Die wichtigste Erkenntnis lautet:

Nicht der Umsatz entscheidet über den Erfolg eines Betriebs, sondern die Wirtschaftlichkeit.

Deshalb beginnt jede professionelle Kalkulation mit einer ehrlichen Analyse der eigenen Kosten.

Wie Haegent Core dabei hilft

Haegent Core unterstützt Handwerksbetriebe dabei, wirtschaftliche Entscheidungen auf einer soliden Grundlage zu treffen.

Über Kalkulationsprofile können unter anderem Stundenkostensätze, Gemeinkostenquoten, Warnschwellen und Deckungsbeiträge berücksichtigt werden.

Dadurch entsteht ein deutlich realistischeres Bild der tatsächlichen Wirtschaftlichkeit eines Angebots oder Projekts.

Fazit

Viele Betriebe machen den Fehler, ausschließlich auf Umsatz oder buchhalterischen Gewinn zu schauen.

Wer jedoch den kalkulatorischen Unternehmerlohn und weitere wirtschaftliche Faktoren berücksichtigt, erkennt häufig, dass die Realität anders aussieht.

Genau deshalb beginnt professionelle Kalkulation nicht beim Angebot, sondern beim Verständnis der eigenen Kosten.

Im nächsten Artikel zeigen wir, wie aus diesen Kosten der richtige Stundenverrechnungssatz entsteht und warum viele Handwerker ihre Arbeitszeit zu günstig verkaufen.

Praxis-Tipp

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