Kalkulation
3. Deckungsbeitrag einfach erklärt – Warum Umsatz allein nichts über Gewinn aussagt
Viele Handwerksbetriebe bewerten Aufträge hauptsächlich nach dem Umsatz. Doch ein hoher Umsatz bedeutet nicht automatisch, dass ein Auftrag wirtschaftlich sinnvoll ist.
Genau hier kommt der Deckungsbeitrag ins Spiel.
Nicht entscheidend ist, wie viel ein Auftrag einbringt. Entscheidend ist, wie viel davon tatsächlich übrig bleibt.
Der Umsatz kann täuschen
Stellen wir uns zwei Aufträge vor.
| Auftrag A | Auftrag B | |
|---|---|---|
| Umsatz | 5.000 € | 5.000 € |
Auf den ersten Blick scheinen beide Aufträge gleich gut zu sein.
Doch sobald wir die Kosten betrachten, entsteht ein völlig anderes Bild.
Vollkostenrechnung – Alle Kosten berücksichtigen
Die Vollkostenrechnung versucht, sämtliche Kosten eines Unternehmens auf die einzelnen Aufträge zu verteilen.
Dazu gehören:
- Material
- Löhne
- Fahrzeuge
- Miete
- Versicherungen
- Verwaltung
- Software
- Steuerberater
Das Ziel:
Jeder Auftrag soll seinen Anteil an den Gesamtkosten tragen.
Die Vollkostenrechnung ist wichtig, um langfristig kostendeckende Preise festzulegen.
Teilkostenrechnung – Was kostet dieser Auftrag wirklich?
Die Teilkostenrechnung verfolgt einen anderen Ansatz.
Sie betrachtet zunächst nur die Kosten, die direkt durch einen Auftrag entstehen.
Dazu gehören:
- Material
- Fremdleistungen
- Direkte Arbeitskosten
Diese Kosten nennt man variable Kosten.
Die übrigen Kosten des Unternehmens bleiben zunächst außen vor.
Was ist der Deckungsbeitrag?
Der Deckungsbeitrag zeigt, wie viel Geld nach Abzug der variablen Kosten übrig bleibt.
Die Formel lautet:
Deckungsbeitrag = Umsatz − variable Kosten
Dieses Ergebnis steht anschließend zur Verfügung, um Gemeinkosten und Gewinn zu decken.
Einfaches Beispiel
Ein Malerauftrag bringt:
- Umsatz: 5.000 €
- Material: 1.200 €
- Fremdleistungen: 300 €
Variable Kosten:
1.500 €
Deckungsbeitrag:
5.000 € − 1.500 € = 3.500 €
Diese 3.500 € stehen nun zur Verfügung, um Miete, Fahrzeuge, Verwaltung und Gewinn zu finanzieren.
Warum zwei gleiche Umsätze völlig unterschiedlich sein können
| Auftrag A | Auftrag B | |
|---|---|---|
| Umsatz | 5.000 € | 5.000 € |
| Variable Kosten | 1.500 € | 3.500 € |
| Deckungsbeitrag | 3.500 € | 1.500 € |
Beide Aufträge erzeugen denselben Umsatz.
Trotzdem ist Auftrag A wirtschaftlich deutlich attraktiver.
Genau deshalb reicht es nicht, nur auf den Umsatz zu schauen.
Der Deckungsbeitrag in Prozent
Häufig wird zusätzlich die Deckungsbeitragsquote betrachtet.
Die Formel lautet:
Deckungsbeitrag ÷ Umsatz × 100
Für Auftrag A:
3.500 € ÷ 5.000 € × 100 = 70 %
Das bedeutet:
Von jedem eingenommenen Euro bleiben 70 Cent übrig, um Gemeinkosten und Gewinn zu decken.
Warum der Deckungsbeitrag so wichtig ist
Der Deckungsbeitrag hilft dabei:
- profitablere Aufträge zu erkennen
- Preisentscheidungen zu treffen
- Rabatte besser zu bewerten
- unrentable Leistungen zu identifizieren
Viele Unternehmen entdecken erst durch die Deckungsbeitragsrechnung, welche Leistungen tatsächlich Geld verdienen.
Wie Haegent Core unterstützt
Haegent Core berechnet den Deckungsbeitrag direkt auf Basis Ihrer Kalkulationsdaten.
Dadurch sehen Sie bereits während der Angebotserstellung, ob ein Auftrag wirtschaftlich sinnvoll erscheint.
Warnschwellen und kritische Grenzwerte können zusätzlich individuell definiert werden.
Fazit
Umsatz ist wichtig.
Noch wichtiger ist jedoch die Frage, wie viel davon tatsächlich übrig bleibt.
Der Deckungsbeitrag macht genau das sichtbar.
Wer seine Deckungsbeiträge kennt, trifft bessere Preisentscheidungen und erkennt wirtschaftliche Risiken deutlich früher.
Im nächsten Artikel betrachten wir die Preisuntergrenze und beantworten die Frage:
Wie günstig darf ich einen Auftrag anbieten, ohne Geld zu verlieren?